Kampf gegen Terrorismus
Die neuen Fronten und Herausforderungen der Linken

von Hamid Taqvaee

Der Krieg, der mit der Grausamkeit des 11. September begann, ist ein interner Krieg in dem internationalen, reaktionären Lager. Dieses durch die USA angeführte Lager, kündigte seine Existenz mit Hiroshima und Nagasaki nach dem 2. Weltkrieg an.. Es ist nach dem Fall der Berliner Mauer bis jetzt ohne Konkurrenz gewesen. Thatcherismus, Reaganismus, die Weltbank, IMF, CNN, BBC, Religion, Nationalismus, Ethnicism, politischer Islam, die Doktrin des kulturellen Relativismus, NATO, Taliban, Israel und die islamische Republik Iran sind alle verschiedene Teile dieses internationalen Lagers. Dieses Lager wurde im Grunde genommen geformt, um die Hegemonie von einem frisch entwickelten Imperialismus nach dem 2. Weltkrieg zu garantieren, um dem Ostblock gegenüberzutreten, und um die sozialistische und linke Bewegung global zu zerschlagen. Terrorismus ist ein wesentliches Merkmal dieses Lagers gewesen. Multiplizieren Sie den 11. September mal Tausend, und Sie kommen bei Hiroshima und Nagasaki an. Wenn Massaker an Zivilisten und unschuldigen Menschen Terrorismus bezeichnet, dann sind das Bombardieren von vietnamesischen Dörfern, das Organisieren von Pinochets Coup und der Massenmord an den Linken in Chile, die blutige Unterdrückung von Palästinensern, das Umbringen von Hunderten bis Tausenden irakischer Kinder durch Wirtschaftssanktionen, das an die Macht Bringen der Taliban in Afghanistan und den politischen Islam an den Mittelpunkt der Bühne zu Bringen, genauso wie andere Akte der Außenpolitik der USA und NATO, ein Teil des Leitungsnachweises des internationalen Terrorismus. Der 11. September war weder die erste, noch die grauenhafteste Tat des Terrorismus. Dieses Mal jedoch, waren unschuldige Menschen in den USA seine Opfer. Der Dolch, den die USA im Grunde genommen gegen die linke Seite geschärft hatte, war bei diesem Anlaß gegen die Menschen von Amerika verwendet worden.

Nahe dem Ende des kalten Krieges, brachten die US-Regierung und ihre Verbündeten in der NATO den politischen Islam mitten auf die Bühne, um der Sowjetunion gegenüberzutreten, und um die Linke in den Ländern des Nahen Ostens zu zerschlagen. Vor allem kamen die islamische Republik im Iran und die Taliban in Afghanistan an die Macht, mit diesen Zielen im Sinn, und mit der Billigung und Unterstützung des Westens. Die Erfahrung dieser beiden Länder demonstriert klar, daß dieser Terrorismus die einzige Art ist, wie der politische Islam sich auf die zeitgenössische Welt beziehen und relevant sein kann. Das unmenschliche und extrem-reaktionäre Volumen der Taliban in Afghanistan und der islamischen Republik im Iran, inklusive Völkermord, Folter, Prügelstrafe, Steinigung und das Auferlegen der unbeschränkten Rechtlosigkeit von Frauen, ist Teil der Bedeutung des politischen Islams in der heutigen Welt. Islam ohne Terrorismus verliert seine politische Bedeutung und Relevanz.

Nach dem Fall der Sowjetunion, war die Rolle des politischen Islams nicht zuende, eher im Gegenteil, die Welt nach dem Kalten Krieg lieferte einen passenden Sumpf für seine Entwicklung. Mit dem Fall des Ostblocks schwenkte die Welt nach rechts. Die rechtesten Flügel und die reaktionärsten Doktrinen im Westen -jene, für die der Thatcherismus und Reaganismus eingetreten ist- wurden die einzigen Kandidaten, und brachten mit ihnen allen historischen Dreck zur Oberfläche. Die Linke war isoliert, und ihre Feinde -jene, die die progressive Menschheit seit der französischen Revolution bekämpft hat- begannen zu gedeihen. Religiöse, nationalistische, ethnische und rassistische Bewegungen tauchten überall auf. Es begann eine rasche Zurückentwicklung, nicht nur auf der Ebene der Politik, auch in Philosophie, Kunst, Kultur, Bildung, Printmedien und Massenmedien. Der 11. September konnte nur in dem Kontext von solch einem Sumpf stattfinden.

Busch und US-Offizielle behaupten, daß der Grund hinter dieser Grausamkeit die Feindschaft der Täter mit der zeitgenössischen Zivilisation war, aber Fakt ist, daß der heutige Terrorismus das Ergebnis ist vom Rückzug des Westens von der zeitgenössischen Zivilisation. 'Zivilisation' ohne Säkularismus, Gleichheit und Freiheit ist keine Zivilisation; eher ist es zeitgenössische Reaktion. Der Krieg, der begonnen hat, ist in der Tat ein Krieg der modernen Reaktion der NATO und der steinzeitlichen Reaktion des politischen Islams.

Faktisch ist der 11. September das Ergebnis und die Folge des Passens und des Zusammenfließens dieser beiden Terrorismen. Die New York-Explosion gab den USA und der NATO die häusliche Bedeutung ihrer Außenpolitik auf der einen Seite, und entfernte islamischen Terrorismus aus dem Gerüst der häuslichen Politik seiner Sphäre im Nahen Osten
-speziell in Iran und Afghanistan-, und gab ihm eine internationale Dimension auf der anderen Seite.

Die Menschen von Amerika und des Westens realisierten plötzlich, welche schrecklichen 'internen' Folgen und Bedeutungen die Außenpolitik ihrer Regierungen haben können. Sie sahen sich auch neben und in Solidarität mit Menschen, wie sie unter dem Joch des politischen Islams in einem Land wie Afghanistan leben. Heute hat diese Situation im Westen Ohren geöffnet.

Menschen fragen "warum?" und suchen nach Antworten. Die Medien möchten Antworten finden im Koran, in Theologie, in islamischen Studien im Osten und Westen. Sie haben noch einmal die ehemalige Debatte über den Clash of Civilisations exhumiert, über die Bedeutung von Djihad, Selbstmord, usw... im Islam, und sie haben begonnen, darüber Konferenzen und Runde Tische abzuhalten. Dieser Unsinn überzeugt niemanden. Dies ist nicht mehr der Krieg im Golf, Bosnien oder Somalia. Dieses Mal hat die Katastrophe Amerika selbst getroffen, und Menschen von Amerika waren ihre direkten Opfer. Die amerikanische Gesellschaft sucht nach Antworten, weil sie sich sicher fühlen will, weil sie leben will, und weil sie keine Angst haben will vor biologischen Bazillenterrorismus. Die amerikanische Gesellschaft wird jetzt gezwungen, die Welt zu verstehen; sie hat einen schweren Preis dafür bezahlt, um die direkte Relevanz von Vorkommnissen jenseits der Ozeane über ihr tägliches Leben zu lernen.

Der US-Krieg in Afghanistan beantwortet auch niemanden etwas. Dies ist nicht die Lösung, er ist Teil des Problems; Menschen beginnen, dieses zu verstehen. Heute, mehr als jemals, ist die öffentliche Meinung dazu bereit, der politischen Wahrheit über die zeitgenössische Welt zuzuhören. Nur die Linke kann der Verstärker dieser Wahrheit sein. Es muß den Menschen erklärt werden, die durstig nach Wahrheit sind, daß dies ein Krieg der Brutalität ist, und nicht ein Clash of Civilisations. Die dokumentierte Beziehung des islamischen und US-Terrorismus muß für die öffentliche Meinung bloßgestellt werden. Das Banner von Säkularismus und die Trennung von Religion und Staat muß hochgehalten werden. Wir müssen gegen Nationalismus stehen. Es muß allen gezeigt werden, daß der US-Nationalismus genauso häßlich und horrend wie der islamische Terrorismus ist. Wir müssen Menschen aus ihren religiösen und nationalistischen Identitäten rausschütteln, und ihre Menschlichkeit ansprechen. Diese traurige Mutter in New York, die sagt: 'Ich wünsche dieses für niemanden in der Welt ' macht gerade genau das. Wir müssen über das Elend derer sprechen, die unter dem Joch des islamischen Terrorismus im Iran und Afghanistan leben müssen, zu jenen, die nach der New York- Katastrophe ihre Augen geöffnet haben. Wir müssen die These vom kulturellem Relativismus diskreditieren. Wir müssen dem Lager der internationalen Reaktion gegenübertreten. Wir müssen zeigen, daß der NATO-Krieg in Afghanistan keine Lösung für Terrorismus ist, sondern ihn eher eskaliert. Wir müssen direkt und komplett den politischen Islam zerbrechen.

Der politische Islam wurde entwickelt durch die generelle Anti-Links-Strategie der USA und der NATO, aber seine Grausamkeiten gehören ihm selber. Die Verbrechen, welche von den Taliban in Afghanistan, der islamischen Republik Iran, und von den islamischen Bewegungen im Nahen Osten und in Nordafrika begangen wurden, müssen weitläufig bloßgestellt und erklärt werden. Wir müssen besonders erklären, daß politischer Islam -sei er in der Regierung, in der Opposition, bei den 'Fundamentalisten' oder 'Gemäßigten'- , nichts anderes als Brutalität und Zurückgebliebenheit bedeutet.

In diesem Kampf hat die Arbeiterkommunistische Partei Irans eine kritische und entscheidende Rolle zu spielen. Unsere Partei ist eine von den wenigen linken Organisationen der Welt, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht im Gefolge des wilden Angriffs der Reaktion des westlichen Blocks zurückgezogen hat, die lieber zurückschlug, vorwärts ging, und die ihren Kampf ausweitete. Unsere Partei ist beharrlich dem Angriff von Rechts gegenübergetreten, und sie kämpfte vor allem gegen den Staatsterrorismus der USA und NATO während der Periode des Kalten Krieges. Ein anderes spezielles Merkmal unserer Partei sind mehr als zwei Jahrzehnte des unaufhörlichen Kampfs gegen das Rückgrat des politischen Islams - die islamische Regierung im Iran. Heute, in der Welt nach dem 11. September, vereinen sich diese zwei Aspekte des Kampfs mehr als jemals zuvor. Heute erleben wir eine Zunahme an einer Antikriegsbewegung in den USA und in Europa. Zu derselben Zeit, im Kontext eines internationalen Angriffs auf den politischen Islam, erleben wir den verstärkten Kampf für den Sturz der islamischen Republik im Iran mit. Diese zwei Bewegungen müssen sich mit einander vertraut machen und sich vereinigen. Die Menschen von Amerika müssen verstehen, wie der Sturz der islamischen Republik direkt mit der Vernichtung des Terrorismus in ihrer Gesellschaft verknüpft ist; die Menschen des Irans müssen verstehen, daß der internationale, linke Kampf gegen den politischen Islam ihren Interessen entspricht, und er wird in seiner Performance ein Katalysator für den Sturz der islamischen Republik sein. In beiden von diesen Fronten, kann und muß unsere Partei eine Hauptrolle einnehmen.

Das Lager des internationalen Terrorismus, welches von Anfang an gegen die Linken formiert wurde, und welches die Vorhut von der neuen Weltordnung sein sollte, hatte effektiv zu nichts, außer Krieg, Schrecken, Furcht, Unsicherheit und einer 'neuen Weltunordnung' geführt. Die Zeit für den rückhaltlosen Angriff der Linken auf diesen Terrorismus ist gekommen.